Ho’oponopono – oder was steckt wirklich dahinter?
(Ho'oponopono Teil 1)
Ihaleakalá Hew Len wurde weltweit durch seine Interpretation des Ho’oponopono bekannt und prägte damit die Wahrnehmung dieser Praxis weit über Hawaii hinaus.
Besonders berühmt wurde die Geschichte, dass er in einer psychiatrischen Einrichtung in Hawaii mit Patienten gearbeitet habe, ohne diese persönlich zu behandeln, und dabei Ho’oponopono praktiziert habe. Die Geschichte wird von der heutigen SITH-Tradition als Beispiel seiner Arbeit erzählt und vielfach als außergewöhnliche Erfahrung weitergegeben.
Hier würde ich allerdings vorsichtig sein und die Erzählung nicht vorschnell als gesicherte Tatsache verstehen:
Die Geschichte wird im Internet häufig sehr spektakulär dargestellt, teilweise mit Aussagen wie, er habe eine ganze Station „geheilt“, ohne die Patienten zu sehen. Gerade solche verkürzten Darstellungen lassen wichtige Hintergründe, Zusammenhänge und mögliche Nuancen oft außer Acht.
„Ich liebe dich.
Es tut mir leid.
Bitte verzeih mir.
Danke.“
Diese vier Sätze sind heute wohl das Bekannteste, was man mit Ho’oponopono verbindet. Sie finden sich in Meditationen, Büchern und zahlreichen Darstellungen im Internet.
Doch Ho’oponopono ist wesentlich mehr als das Wiederholen dieser Worte.
Was bedeutet Ho’oponopono?
Das hawaiische hoʻoponopono wird sinngemäß mit „etwas wieder in Ordnung bringen“, „korrigieren“ oder „wieder ins rechte Verhältnis bringen“ übersetzt. (wehe.hilo.hawaii.edu)
Ursprünglich war Hoʻoponopono eine hawaiische Praxis, bei der es vor allem um die Wiederherstellung von Harmonie innerhalb von Beziehungen und Familien ging. Konflikte wurden ausgesprochen, eigene Anteile betrachtet und Vergebung ermöglicht.
Es ging also nicht darum, herauszufinden, wer Recht hatte.
Es ging darum, etwas wieder in Ordnung zu bringen.
Eine Entwicklung nach innen
Im 20. Jahrhundert entwickelte Morrnah Nalamaku Simeona daraus eine moderne Form, die auch von einem einzelnen Menschen praktiziert werden konnte. Ihr Ansatz ist heute als Self-I-Dentity through Ho’oponopono (SITH) bekannt.
Damit verlagerte sich der Schwerpunkt stärker nach innen.
Nicht mehr nur die Frage:
„Wie kann ich diesen Konflikt mit einem anderen Menschen lösen?“
sondern auch:
„Was geschieht in mir, wenn ich diese Situation erlebe?“
Welche Gefühle, Erinnerungen und inneren Muster sind damit verbunden?
Und was kann ich davon loslassen?
Die vier Sätze
Die heute verbreiteten vier Sätze werden häufig als das eigentliche Ho’oponopono dargestellt. Ganz so einfach ist es jedoch nicht.
Sie sind nicht die traditionelle Form des hawaiischen Hoʻoponopono und auch nicht die vollständige Beschreibung der von Morrnah Simeona entwickelten Methode.
Die heutige Vier-Sätze-Version ist vielmehr eine stark vereinfachte Form, die sich weit von ihrem ursprünglichen kulturellen und spirituellen Zusammenhang gelöst hat.
Gerade deshalb lohnt sich ein genauerer Blick.
Denn hinter Ho’oponopono steht ein Gedanke, der weit über ein einfaches Mantra hinausgeht:
Was darf in mir wieder in Ordnung kommen?
Verantwortung statt Schuld
Ein weiterer wichtiger Gedanke des modernen Ho’oponopono ist die Übernahme von Verantwortung.
Dabei geht es nicht darum, sich für alles schuldig zu fühlen, was einem widerfährt.
Vielmehr geht es darum, die eigene innere Reaktion anzuschauen.
Ich kann nicht bestimmen, wie ein anderer Mensch handelt.
Ich kann die Vergangenheit nicht verändern.
Aber ich kann mich darum kümmern, was diese Erfahrung in mir hinterlassen hat.
Und vielleicht beginnt genau dort Veränderung.
Mehr als die Lösung eines Problems
Vielleicht ist ein konkretes Problem deshalb manchmal nur der Ausgangspunkt.
Denn wenn alte Verletzungen, Erinnerungen und Muster sich lösen dürfen, entsteht Raum für etwas Neues.
Für Frieden.
Für Selbstliebe.
Für Dankbarkeit.
Und vielleicht irgendwann auch für eine viel grundlegendere Frage:
Wer bin ich eigentlich – jenseits all dessen, was mir über mich selbst erzählt wurde?
Vielleicht liegt genau darin eine der tiefsten Möglichkeiten von Ho’oponopono:
Nicht einfach ein Problem loszuwerden.
Sondern sich selbst ein Stück näherzukommen.
Vielleicht beginnt genau hier eine andere Art, Ho’oponopono zu verstehen.
Denn manchmal führt der Weg, der mit einer ganz konkreten Frage beginnt, an einen viel tieferen Ort – dorthin, wo wir uns selbst begegnen.
Wer bin ich eigentlich – jenseits all dessen, was ich über mich gelernt, erfahren und übernommen habe?
Dieser Frage möchte ich im nächsten Artikel etwas näher folgen.
„Ich gebe dir einen geschützten Raum, in dem du dir selbst begegnen kannst.“
Kommentar hinzufügen
Kommentare