Worauf du deine Aufmerksamkeit richtest, dorthin fließt auch deine Energie.
Vielleicht kennst du diesen Satz. Er begegnet uns in der Meditation, in spirituellen Lehren, im Coaching oder in der Persönlichkeitsentwicklung. Und vielleicht hast du ihn schon oft gehört, ohne dir darüber Gedanken zu machen, woher er eigentlich kommt.
Doch was bedeutet er wirklich?
Schon eine kleine Beobachtung im Alltag kann zeigen, wie viel Wahrheit in diesem Gedanken für unser eigenes Erleben liegen kann.
â Das bedeutet nicht: „Denke einfach positiv“
An dieser Stelle ist es für mich wichtig, mit einem Missverständnis aufzuräumen.
„Energie folgt der Aufmerksamkeit“ bedeutet nicht, dass wir alles Unangenehme aus unserem Leben verdrängen sollten.
Hier kann genau dieses Missverständnis entstehen. Manche Menschen verstehen den Satz so, als müssten sie unangenehme Dinge nur ignorieren, um ihnen die Energie zu entziehen. Doch so einfach ist es nicht.
Nur einer Sache die Aufmerksamkeit zu entziehen, schafft sie nicht automatisch aus der Welt. Ignoranz ist dabei nicht einmal wirklich ein Entzug von Energie, sondern kann eine andere Form von Energie sein. Und das kann im Ernstfall sogar genau das Gegenteil bewirken:
Wenn du dich nicht frühzeitig mit unangenehmen Dingen beschäftigst, kann es passieren, dass sie später doppelt und dreifach auf dich zurückfallen.
Was passiert zum Beispiel, wenn du eine Rechnung einfach beiseiteschiebst? Es kommen Zahlungserinnerungen, Mahnungen und irgendwann werden die Gebühren höher als die eigentliche Rechnung – unabhängig davon, ob die Forderung berechtigt ist oder nicht. Dann wird es immer schwieriger, aus der Sache wieder herauszukommen.
Der Satz bezieht sich für mich deshalb eher auf unsere göttlich gegebene Schöpferkraft. Erst wenn wir uns auch mit den unangenehmen Dingen beschäftigen, können wir Wege finden, sie zu verändern und schließlich hinter uns zu lassen.
Natürlich muss man unterscheiden, ob eine Sache unsere Aufmerksamkeit überhaupt verdient oder nicht.
Der berühmte „Reissack, der in China umgefallen ist“, braucht definitiv nicht unsere Aufmerksamkeit. Leider wird sie durch die Medien oft auf solche Dinge gelenkt, anstatt auf das, was für uns tatsächlich wichtig ist.
Es geht nicht darum, Sorgen wegzudenken.
Und es geht auch nicht darum, uns einzureden, dass alles wunderbar ist, wenn es sich gerade überhaupt nicht so anfühlt.
Manchmal braucht gerade das, was unangenehm ist, unsere Aufmerksamkeit.
Eine Angst, die wir immer wieder verdrängen, verschwindet dadurch nicht unbedingt.
Ein Konflikt löst sich nicht automatisch auf, nur weil wir nicht hinschauen.
Und ein Teil von uns, den wir lieber nicht sehen möchten, wartet möglicherweise genau dort darauf, wahrgenommen zu werden.
Auch darauf darf unsere Aufmerksamkeit gerichtet sein.
Vielleicht liegt die eigentliche Kraft deshalb nicht darin, immer nur auf das Angenehme zu schauen.
Sondern darin, bewusst zu entscheiden, wohin wir schauen.
đ Wohin fließt deine Energie?
Vielleicht kannst du dich einmal selbst beobachten.
Womit beschäftigst du dich morgens nach dem Aufwachen?
Was geht dir während des Tages immer wieder durch den Kopf?
Welche Menschen bekommen besonders viel deiner Aufmerksamkeit?
Welche Sorgen?
Welche Wünsche?
Welche Erinnerungen?
Und vielleicht auch:
Wie viel deiner Aufmerksamkeit bekommt eigentlich dein eigenes Inneres?
Nicht das, was andere von dir erwarten.
Nicht das, was du glaubst, tun zu müssen.
Sondern das, was in dir tatsächlich wahrgenommen werden möchte.
Denn auch Selbstwahrnehmung braucht Aufmerksamkeit.
âŒEine andere Perspektive
Wenn wir beginnen, unsere Aufmerksamkeit bewusster wahrzunehmen, entsteht etwas Interessantes.
Wir müssen nicht jeden Gedanken kontrollieren.
Wir müssen auch nicht ständig darauf achten, „richtig“ zu denken.
Es genügt zunächst, zu bemerken:
Wo bin ich gerade mit meiner Aufmerksamkeit?
Vielleicht stellst du fest, dass du gedanklich längst bei einem Problem von morgen bist.
Oder bei einem Gespräch von gestern.
Während dein Leben eigentlich genau hier und jetzt stattfindet.
Im gegenwärtigen Augenblick.
Und vielleicht kannst du deine Aufmerksamkeit für einen Moment zurückholen.
Zu deinem Atem.
Zu deinem Körper.
Zu dem Menschen, der gerade vor dir sitzt.
Oder einfach zu dir selbst.
Manchmal verändert sich dadurch nicht sofort die Situation.
Aber vielleicht verändert sich deine Beziehung zu ihr.
đŒ Und woher kommt nun dieser Satz „Energie folgt der Aufmerksamkeit“?
Der Gedanke „Energie folgt der Aufmerksamkeit“ ist besonders eng mit dem modernen Huna verbunden.
Dort findet sich dieses Prinzip unter dem hawaiianischen Begriff Makia. Es gehört zu den sieben Prinzipien, die in der modernen Huna-Lehre vermittelt werden.
Damit öffnet sich eine interessante Tür.
Denn plötzlich steht hinter einem Satz, den viele Menschen heute aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen kennen, eine spirituelle Tradition mit einer eigenen Geschichte und einem eigenen Verständnis von Wahrnehmung, Energie und menschlichem Erleben.
đ Worauf schaust du?
Stell dir vor, du hast einen Tag, an dem vieles nicht so läuft, wie du es dir wünschst.
Ein Gespräch hat dich geärgert. Etwas ist schiefgegangen. Eine Aufgabe wartet noch auf dich. Vielleicht kommt noch eine Rechnung dazu, die du eigentlich gar nicht gebrauchen kannst.
Wenn du deine Aufmerksamkeit nun immer wieder auf diese Dinge richtest, beschäftigst du dich gedanklich auch immer stärker damit.
Du denkst darüber nach.
Du gehst Gespräche noch einmal durch.
Du überlegst, was hätte anders laufen können.
Vielleicht bemerkst du plötzlich noch weitere Dinge, die nicht funktionieren.
Die Probleme sind dadurch nicht unbedingt größer geworden.
Aber sie nehmen mehr Raum in dir ein.
Und genau hier beginnt die Bedeutung dieses Satzes.
Denn unsere Aufmerksamkeit entscheidet mit darüber, was wir wahrnehmen, was wir gedanklich weiterverfolgen und womit wir uns innerlich beschäftigen.
đ± Aufmerksamkeit kann etwas verstärken
Wenn du dich intensiv mit einer Sache beschäftigst, wird sie für dich immer präsenter.
Das kann bei Sorgen genauso geschehen wie bei Freude.
Vielleicht hast du dir einmal vorgenommen, ein bestimmtes Auto zu kaufen. Plötzlich siehst du dieses Modell überall. Es war vorher genauso häufig auf der Straße unterwegs – aber jetzt fällt es dir auf.
Oder du begegnest einem Menschen, der dir etwas bedeutet. Schon ein kurzer Gedanke an ihn kann weitere Erinnerungen und Gefühle hervorholen.
Unsere Aufmerksamkeit wirkt wie ein Filter.
Sie entscheidet nicht darüber, was überhaupt existiert.
Aber sie beeinflusst sehr wohl, was davon für uns sichtbar und bedeutsam wird.
Und damit verändert sich auch unser Erleben.
Doch was genau ist eigentlich Huna?
Ist es tatsächlich das alte hawaiianische „Geheimwissen“, als das es häufig bezeichnet wird?
Oder ist seine Geschichte wesentlich komplexer?
Dieser Frage möchte ich mich in einem weiteren Artikel widmen.
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